Sushi für Angeber

Vergesst langweilige Avocado-Röllchen! Oder besser gesagt: Lasst sie nicht so allein auf dem Teller! Veganes Sushi kann so viel mehr als Möhre und Gurke. Ich will euch ein paar Ideen zeigen, die Möglichkeiten sind quasi unbegrenzt. Lasst euch von der Flut an Vorschlägen nicht abschrecken - auch mit drei, vier "Belägen" könnt ihr tolles Sushi zaubern. Niemand zwingt euch dazu, so durchzudrehen wie ich das bei Gelegenheit zu tun pflege. Damit ihr bei euren Freunden angeben könnt, zeige ich euch auch, wie man verführerische Nigiri macht.
Sushi braucht etwas Zeit, aber ich verspreche euch, dass sich der Aufwand lohnt! Wir benutzen es gern, um Omni-Freunde zu beeindrucken. Weil dieses Rezept etwas länger wird, habe ich es in Etappen unterteilt, damit ihr euch zwischendurch einen Drink genehmigen könnt.

Die schicken Häppchen im Vordergrund sind Nigiri; im Hintergrund seht ihr die klassischen Maki-Rollen

Was ihr braucht:

Sushi-Reis (wir nehmen ganz billigen Milchreis, aber ihr könnt auch piekfeinen Sushi-Reis kaufen)
Mirin (japanischer Reisweinessig)
Nori-Blätter
eine Sushi-Matte
Sojasoße (holt euch eine mit möglichst kurzer Zutatenliste!)
Wasabi (weil eure Nasennebenhöhlen auch etwas vom Sushi-Abend haben wollen)
eingelegter Ingwer (zum Neutralisieren zwischen verschiedenen Arten Sushi)
ein scharfes (!!) Messer
Für Nigiri braucht ihr außerdem einen Nigiri-Maker. Besorgt euch einen! Er ist billig und Nigiris machen richtig was her.

Mögliche Beläge:

Tofu (nach Belieben mariniert)
Avocado
längliches Gemüse, zB. Gurke, Möhre, Spargel
Paprika
Grünzeug, zB. Grünkohl (blanchiert und zB. mit geröstetem Sesamöl beträufelt)

Extras:
Sesam (weiß und/oder schwarz)
andere Nüsse (zB. Haselnussscheibchen)
geröstetes Sesamöl (ganz spezieller Geschmack, eigentlich nicht zu ersetzen)
Adzuki-Bohnen (tut euch einen Gefallen und kocht sie am Vortag, sonst wird's kompliziert!)
Kichererbsen-"Rührei" (wie Das beliebte Kichererbsen-Omelette, aber ohne Umschlagen, Gewürze und Füllung!)
Keimlinge (zB. Brokkoli-Keime oder Kresse - sehr fancy und gesund!)



Die Vorbereitung 

Als erstes solltet ihr den Sushi-Reis kochen. Für zwei Personen braucht ihr eine Tasse Reis und 2,5 Tassen kaltes Wasser. Ich salze Reis nie und für Sushi solltet ihr es auch lassen. In den Topf, Deckel drauf (Energie sparen), aufkochen lassen, danach köcheln. Wenn nur noch etwas Wasser übrig ist, schaltet die Herdplatte aus und gebt einen Schluck Mirin rein. Lasst den Reis nun bis zur weiteren Verwendung ruhen.

Während der Reis am köcheln ist, könnt ihr den Tofu marinieren. Streber machen das schon 2 Stunden vorher, um die Marinade richtig einziehen zu lassen. Schneidet ihn dafür in Streifen von etwa quadratischem Durchschnitt. Die Marinade könnt ihr euren Vorlieben anpassen - ich nehme gern folgende Mischung: ein Schluck Sojasoße, etwas geröstetes Sesamöl, das Ganze mit etwas Wasser strecken. Dazu nach Belieben Sesamsaat, fein gehackten Knoblauch, Chili, Ingwer geben. Abdecken und ziehen lassen. Wenn ihr übertrieben viel Zeit habt, bratet den Tofu in Scheiben an, löscht ihn mit Marinade ab, schneidet ihn erst dann in Streifen und lasst ihn ruhen. Mmmh.

Wo wir gerade beim Thema Pfanne sind: ein ganz simples veganes "Omelette" ist eine interessante Zugabe. Dazu Kichererbsenmehl, Wasser und Sojasoße zu einem dünnflüssigen Teig vermengen, in die heiße Pfanne, dann Herdplatte ausmachen - es soll diesmal nicht goldbraun werden. Ihr müsst es noch nichtmal wenden.

Jetzt ist es an der Zeit für's Gemüse! Wenn ihr etwas blanchieren oder dünsten wollt (ich hab es neulich mit Grünkohl probiert, war sehr lecker), tut das nun. Im Falle von Grünkohl hieße das: Grünes vom holzigen Strunk trennen, kurz anbraten und mit etwas und Sojasoße ablöschen. Mit Sesam/Haselnuss besprenkeln und in Ruhe lassen.


Der Mann mit Hut ist für die Klassiker zuständig: Möhren schälen, in handliche Teilstücke, dann in dünne Streifen schneiden. Ich halbiere sie dafür meistens, bis ich bei Achtelmöhren bin, aber das müsst ihr selber wissen. Das Gleiche macht ihr mit der Gurke. Schneidet die Kerne ruhig weg, sie sind wässrig und machen eure Streifen zu dick. Paprika halbiert ihr und schneidet sie in Streifen. Avocado schneidet ihr erst in Scheiben, dann in Streifen. Macht dann gleich einen Spritzer Zitronensaft drüber, damit sie nicht braun wird!

Macht nicht zu viel (eine halbe Gurke ist mehr als wir brauchen). Wenn ihr am Ende was übrig habt, ist das aber auch kein Problem. Erzähl ich euch am Ende.



Die tolle Rolle
Habt ihr schon einmal Sushi gemacht? Falls nicht, schaut euch am besten erst einmal eine ausührliche Anleitung an. Hier eine Zusammenfassung für alle, die schon mal Sushi gemacht haben, sich aber nicht mehr an die Details erinnern können:
Sushi-Matte mit den Stäbchen quer zu euch und der glatten Seite nach unten legen (falls eure Matte runde Stäbchen hat, ignorieren). Darauf ein Nori-Blatt mit der rauhen Seite nach oben und mit der Perforierung (falls vorhanden) längs zu euch legen. Dann mit feuchten Fingern eine dünne Schicht Reis auf das untere Drittel des Nori-Blattes verteilen. Nun könnt ihr die Beläge eurer Wahl quer zu euch auf den Reis legen (bei mehr als 3 Zutaten pro Rolle wird übrigens das Rollen schwierig, aber vielleicht mögt ihr Herausforderungen).
Dann rollen. Dazu hebt ihr vorsichtig das untere Ende der Matte an und rollt es möglichst fest in Richtung oberes Ende, bis ihr einmal rum seid. Dann das Mattenende parallel zur restlichen Matte ziehen und dabei das Nori-Blatt um die Rolle wickeln. Lasst die Rolle dann eine Weile in Ruhe, damit das Nori durchfeuchten kann. Sonst werdet ihr Schwierigkeiten beim Schneiden haben.
Wenn euer Sushi immer an der Matte klebt, umwickelt sie mit Frischhaltefolie (die Matte!!)


Nigiri-Avantgarde

Nigiris sind eigentlich viel simpler zu machen und geben euch eine große Freiheit in der Gestaltung. Zuerst füllt ihr den Nigiri-Maker mit etwas Sushi-Reis, dreht ihn um um drückt den Nigiri-"Rohling" auf einen Teller. Wie ihr hier seht, könnt ihr in den Nigiri-Maker ein paar Adzuki-Bohnen (oder zB. Sesam) füllen, um sie noch interessanter aussehen zu lassen.

Unser völlig überladener Sushi-Tisch! Zwischen Avocado und Gurken seht ihr den Nigiri-Maker

Nun kommt der interessante Teil: sucht euch pro Nigiri ein stabilisierendes Element aus. Wie ihr im Bild seht, kann das ein breiter Streifen "Omelette" oder zB. Grünkohl sein. Wir haben festgestellt, dass die Nigiri besser halten, wenn dieser Stabilisator unter dem Rohling ist. Auf euer Nigiri könnt ihr nun packen, wonach euch ist: Avocado, Paprika, Tofu usw. Kontraste lassen das Ganze interessanter aussehen.

Halbfertige Nigiri in Absturz-Gefahr

Dann wird es noch einmal spannend: schneidet einen dünnen Streifen Nori-Blatt mit einer Schere ab. Dünner als 5mm sollte er nicht sein, sonst reißt er zu leicht. Legt ihn mit der rauhen Seite nach oben auf euren Belag, drückt ihn an der Stelle leicht runter und dann an den Seiten fest. Nun könnt ihr den kompletten Nigiri vorsichtig anheben und die Enden des Nori-Streifens unten zusammenführen. Überstehende Enden könnt ihr wieder an der Seite festdrücken oder einfach abschneiden.
Nicht schick genug? Schneidet eine geometrische Form aus einem Stück Rest-Nori und platziert sie dekorativ auf dem Belag oder streut Sesam, dünne Chilifäden oder ein paar Keimlinge drauf!


Letzte Vorbereitungen

Nun könnt ihr die Nori-Rollen schneiden. Sollten sie sich wehren, piekst sie mit der Messerspitze an, bevor ihr den beherzten Schnitt wagt. Versucht sie in möglichst gleichmäßige Teile zu schneiden (2cm sind ein guter Richtwert). Die Endstücken könnt ihr entweder auf die Seite legen oder, falls sie wirklich unansehnlich sind, einfach wegnaschen.

Räumt nun euer Zubereitungs-Chaos weg und verteilt das Sushi dekorativ auf Tellern oder Brettchen. Zum Vertilgen reicht man taditionell ein Schälchen mit Sojasoße sowie einen Klecks Wasabi.

Wie schaut es aus, habt ihr den Reis und die Nori-Blätter verbraucht, aber noch Unmengen an heimatlosen Gurken, Möhren usw? Kein Problem! Gebt das ganze in eine Tupperschüssel. Am nächsten Tag gebt ihr einfach etwas kochendes Wasser und Miso-Paste (oder einfach Brühe) dazu und habt eine einfache, köstliche Gemüsesuppe.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen